Wespenbussard

Wespenbussard auf Ast sitzendZoombild vorhanden

© H.-J. Fünfstück / www.5erls-naturfotos.de

Der Wespenbussard trägt seinen Namen zu Recht, denn er ernährt sich überwiegend von Wespen und Hummeln, sowie deren Puppen und Larven. Sein dichtes Federkleid und sein Körperbau sind an die wehrhafte Beute angepasst. Als Langstreckenzieher, der in Afrika überwintert, verbringt er nur wenige Monate bei uns. Deshalb und weil er weniger ruffreudig ist als der weit verbreitete Mäusebussard, ist er nicht so bekannt.

Der Name Pernis apivorus stammt aus dem Lateinischen und Griechischen. Er bedeutet habichtgroßer Greifvogel, der Bienen frisst.

Der Wespenbussard verbringt nur die warmen Sommermonate bei uns in Bayern.

Während der gesamten Brutzeit bessert der Wespenbussard sein Nest mit belaubten Zweigen aus.

Erscheinungsbild

Männlicher Wespenbussard (Adulttier)
Wespenbussarde unterscheiden sich äußerlich deutlich vom Mäusebussard. Sie sind etwas größer, haben eine größere Flügelspannweite und deutlich längere Schwanzfedern. Im Flugbild lässt sich der Wespenbussard gut vom Mäusebussard unterscheiden, da er seine langen Flügel waagerecht vom Körper abstreckt, während der Mäusebussard diese im Gleitflug v- förmig anhebt. Der Wespenbussard hat einen kleinen vorgestreckten Kopf. Ihm fehlt der für Greifvögel charakteristische Überaugenknochen (supraorbitalis), da seine Augen nicht vor großen Beutetieren geschützt werden müssen. Sein Kopf wirkt daher taubenartig. Der Kopf ausgewachsener männlicher Tiere ist meist blaugrau, bei Weibchen und Jungvögeln ist er bräunlich gefärbt.
Die Gefiederzeichnung des Wespenbussards ist sehr variabel. Während ältere Männchen ein helleres, gräulich wirkendes Federkleid haben, ist das der Weibchen und Jungvögel eher bräunlich. Sowohl im Flugbild, als auch beim sitzenden Vogel ist das markanteste Merkmal die Querbänderung der Schwanzfedern und Handschwingen. Die Hand- und Armschwingen sowie der Stoß haben eine deutliche dunkle und breite Endbinde (Streifen) und im großen Abstand zwei weitere schmalere, dunkle Binden (Streifen). An der Vorderkante des Unterflügels besitzen Wespenbussarde einen großen dunklen Bugfleck.
Alt- und Jungvögel sind gut unterscheidbar: Die Haut um den Schnabel (Wachshaut) ist bei den Altvögeln dunkelgrau, das Auge bzw. die Iris ist gelb. Jungvögel hingegen haben eine gelbe Wachshaut und eine dunkle Iris. Ebenfalls gelb sind die Beine, die Krallen sind schwarz. Der relativ kleine und schlanke Schnabel ist schwarzgrau.
Der Wespenbussard ist gut an seine hochspezialisierte Ernährung angepasst. Sein Schnabel eignet sich für das Herausziehen von Wespenlarven aus den Waben. Der Schnabel ist schmal, relativ lang und der Oberschnabel nur schwach gekrümmt. Zum Schutz vor Wespenstichen sind seine Nasenlöcher schmal und schlitzförmig. Das Gefieder am Kopf ist schuppenartig und um die Augen sehr dicht und steif. Ebenso sind die hühnerartigen Beine dick beschuppt und die langen Krallen an das Ausgraben der Insektennester im Boden angepasst.

Wissenswertes auf einen Blick

  • Wissenschaftlicher Name: Pernis apivorus
  • Ordnung: Habichtartige
  • Gewicht: 0,6 bis 1,1 Kilo
  • Größe: 52 bis 60 cm Länge, Flügelspannweite von 130 bis 150 cm
  • Alter: ältester beringter Vogel 29 Jahre.
  • Geschlechterunterschied: Weibchen etwas größer als Männchen, unterschiedliche Gefiederzeichnungen
  • Gelege: 2 Eier je Gelege; 1 Gelege im Jahr

Die Stimme des Wespenbussards

Im Vergleich zu anderen mitteleuropäischen Greifvogelarten ist der Wespenbussard außerhalb der Brutzeit eher still. Der noch am häufigsten zu hörende Ruf ist ein wohltönendes (melodisch), langgezogenes, etwas wehmütiges und mehrsilbiges Pfeifen. Dieser wird bei Balzflügen geäußert, aber auch bei Erregung oder Bedrohung.

Hier können Sie seinen Ruf hören. Er klingt wie ein „bliüi-joid-joid“, „gliüü-hü-hü-hü-hü-ü“ oder „flieuw“.

Autor: Tembrock, Günter / Tierstimmenarchiv Berlin

Der Wespenbussard in Bayern

Der Wespenbussard ist in Bayern ein seltener Brutvogel und nur lückig verbreitet. Der bayerische Brutbestand wird auf maximal 950 Brutpaare geschätzt. Die Verbreitungsschwerpunkte befinden sich im Steigerwald, im Steigerwaldvorland, in den Haßbergen, im Grabfeldgau, im Itz-Baunach-Hügelland, der Frankenalb und im niederbayerischen Hügelland.

Lebensraum und Lebensweise

Lebensraum Wespenbussard: Laub- Nadelmisch-, Auenwälder, Feldgehölz, alter Baumbestand Zoombild vorhanden

© Heither, Hannah

Der Wespenbussard bewohnt reich strukturierte Landschaften. Er brütet in Laub-, Nadelmisch- und Auenwäldern sowie Feldgehölzen mit altem Baumbestand. Im Gegensatz zum Mäusebussard sind seine Horste auch im Innenraum geschlossener Wälder zu finden. Bevorzugt werden Waldbereiche, die durch Lichtungen oder abwechslungsreiche Ränder strukturiert sind oder die in der Nähe zu abwechslungsreichen Feuchtgebieten liegen. Insbesondere auf Wiesen, an Waldrändern oder entlang von Baumreihen und Hecken geht er dem Nahrungserwerb nach. Der Wespenbussard brütet in Bayern vom Flachland bis zur Baumgrenze in den Alpen.
Gegenüber seiner Artgenossen ist das Wespenbussard - Männchen territorial. Er verteidigt seinen Horst im Umkreis von ca. ein bis eineinhalb Kilometern. Der Aktionsraum kann mit bis zu 4500 Hektar deutlich größer sein und variiert je nach Nahrungsangebot. Für ihre Beuteflüge entfernen sich Wespenbussarde maximal 7 km von ihrem Horst.

Ernährung

Feldhummel auf Kohldistel sitzendZoombild vorhanden

© Klaus Schreiber

Der Wespenbussard wird seinem Namen gerecht. Larven, Puppen und Imagines (geschlechtsreife Insekten) von Wespen und Hummeln (manchmal mitsamt kleiner Wabenstücke) machen den Großteil seiner Nahrung aus. Wenn das Wespenangebot nicht ausreichend ist, frisst er auch andere Insekten sowie Würmer, Spinnen, Amphibien, Reptilien, junge Vögel. Kleinsäuger werden sehr selten gefangen. Im späten Sommer frisst der Wespenbussard gerne Früchte und Beeren.

Der Wespenbussard im Jahresverlauf

Jahresverlauf des Wespenbussards

Wespenbussarde sind Zugvögel und Langstreckenzieher. Sie überwintern südlich der Sahara und verbringen nur die warmen Monate in Bayern. Anfang Mai treffen sie bei uns ein und beginnen gleich mit der Balz. Der Wespenbussard brütet spät im Jahr und so fällt die Jungenaufzucht in die Zeit der größten Häufigkeit von Wespen im Hochsommer. Die Eiablage erfolgt in Mitteleuropa zumeist erst Ende Mai bis Mitte Juni. Die Brutzeit beträgt etwa 34 Tage. Beide Partner wechseln sich beim Brüten und bei der Jungenaufzucht ab. Ein Altvogel, anfangs eher das Weibchen, ist immer in der Nähe des Nests. Nach 44 Tagen (Anfang August) sind die Jungvögel flügge. Während der gesamten Brutzeit bessert der Wespenbussard seinen Horst mit belaubten Zweigen aus. Dieses Verhalten dient vermutlich sowohl der Instandsetzung, als auch der Hygiene im Horst. Der Wespenbussard übernimmt auch Nester von anderen Vogelarten, die er dann ausbaut. Neu angelegte Horste sind hingegen relativ klein und hoch in der Baumkrone versteckt, weshalb sie leicht übersehen werden können.
Mitte bis Ende August machen sich die Wespenbussarde schon wieder auf den Weg nach Afrika. In ihrem ersten Lebensjahr verbringen die meisten Wespenbussarde auch den Sommer über in ihren Winterquartieren.

Jagdliche Begriffe

Im Laufe der Jahrzehnte haben sich unter Jägern für bestimmte Aktivitäten, Körpermerkmale oder Verhaltensweisen im Zusammenhang mit einer Tierart Begriffe eingebürgert. Einige davon sind hier aufgeführt.

  • Balz: Paarungszeit
  • Mauser: Wechsel / Erneuerung der Federn
  • Terzel: männliches Tier
  • Weib: weibliches Tier
  • Ständer, Fänge: Beine, Füße
  • Hosen: Beinbefiederung
  • Stoß: Schwanz
  • Geschmeiß: Kot
  • Kröpfen, atzen: fressen

Jagd und Management

Der Wespenbussard ist in Bayern ganzjährig geschont und wird daher nicht bejagt.
Die illegale Tötung eines ganzjährig geschonten Wildtieres stellt eine Straftat nach § 38 Abs.1 Nr.2 des Bundesjagdgesetzes dar.
Auch das Sammeln und Stören von Gelegen des Federwildes ist verboten nach § 22 Abs. 4 des Bundesjagdgesetzes (BJagdG) und § 22 Abs.3 des Bayerischen Jagdgesetzes (BayJG).

Der Wespenbussard unterliegt dem Anhang I der Vogelschutzrichtlinie, daher wurden für ihn in Bayern Vogelschutzgebiete (SPA) ausgewiesen. In diesen Gebieten wird sein Brutbestand kartiert und der Erhaltungszustand bewertet.

Natura 2000- Kartieranleitung Wespenbussard Externer Link