Wachtel

Wachtel - Weibchen © H.-J. Fünfstück-www.5erls-naturfotos.de

© H.-J. Fünfstück,
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Die Wachtel kann man öfter hören als sehen, da sie tagsüber nur ungern auffliegt. In ihrem Brutgebiet in strukturreichen Getreidefelder und Bracheflächen sind Wachteln meist zu Fuß unterwegs. Mit bis zu 18 cm ist sie die kleinste Hühnerart und der einzige Zugvogel unter den Hühnern. Daher ist sie in Bayern ausschließlich von April bis Oktober anzutreffen.

Erscheinungsbild

Wachtel

© Pixabay

Die Wachtel ähnelt dem Rebhuhn, ist jedoch kleiner. Sie hat ein unauffälliges Federkleid, um sich auf dem braunen Boden des offenen Agrarlandes zu tarnen. Wachteln sind beigebraun gefärbt und haben an der Oberseite, Kopf und Brust eine dunkelbraune Musterung. Auf dem Rücken und an den Flanken tragen sie weißliche Längsstreifen. Die Hähne tragen einen schwarzen Streifen an der Kehle. Im Flug wirkt ihre Statur im Vergleich zu anderen Hühnervögeln länglicher und die Flügel sind spitzer geformt. Sie fliegen geradlinig und mit schnellem Flügelschlag.

Wissenswertes auf einen Blick

  • Wissenschaftlicher Name: Cortunix cortunix
  • Gewicht: 78 bis 150 g
  • Größe: 16 - 18 cm Körperlänge; Flügelspannweite ca. 11 cm
  • Alter: bis 8 Jahre
  • Geschlechtsunterschied: kaum vorhanden. Hähne haben einen schwarzen Kehlstrich, bei Hennen ist die Kehle weißgrau
  • Gelege: 7 - 13 Eier, 1 (bis 3) Jahresbruten

Wachteln in Bayern

Die Wachtel ist in Bayern lückenhaft verbreitet. Verbreitungsschwerpunkte sind in Mittel- und Unterfranken sowie im westlichen und nördlichen Südbayern. Keine Brutnachweise gibt es in den Alpen und Mittelgebirgen. Seit den 1960er Jahren war der Bestand der Wachtel in Deutschland auf großer Fläche rückläufig. Die zunehmende Extensivierung, wie das Belassen von Brachestreifen und Blühwiesen sorgen derzeit für eine Verbesserung der Wachtellebensräume.
Der aktuelle Brutbestand wird in Bayern auf 4900 - 8000 Paare geschätzt.

Fundortkarte der Wachtel des LfU Externer Link

Lebensraum und Lebensweise

BlühwieseZoombild vorhanden

Blühwiese © Pixabay

Wachteln leben am Liebsten in baumfreien Feld- und Wiesenflächen mit ausgeprägter, deckungsgebender Krautschicht. Bevorzugt werden feuchte, eher tiefgründige Böden. Ihr Nest bauen Wachteln am liebsten in Brachen, Luzernen- und Kleeschlägen sowie in Getreidefeldern und Wiesen. Wichtig für das Brutbiotop ist eine extensive Bewirtschaftung, die eine hohe Strukturvielfalt der Krautvegetation gewährleistet. Bei Gefahr suchen Wachteln meist zu Fuß Deckung in der krautigen Vegetation. Auch Rohboden ist ein wichtiger Bestandteil des Wachtellebensraums. Während der warmen Mittagszeit nehmen sie gerne Sandbäder.
Bei Ankunft im bayerischen Brutgebiet beginnen Wachteln recht zügig mit der Balz. Die Fortpflanzungsstrategie bei Wachteln ist nicht immer gleich: es gibt sowohl monogame Verpaarungen, als auch Polygynie (ein Hahn und mehrere Hennen), Polyandrie (eine Henne und mehrere Hähne) und Promiskuität (ohne Partnerbindung). Wachteln haben keine festen Territorien, sie etablieren an geeigneten Standorten „Wachtelrufplätze“, die von mehreren Hähnen besetzt sind. Viele Hähne bleiben unverpaart, denn es gibt deutlich mehr Hennen als Hähne. Die Nester werden zwischen Krautvegetation und Gras gebaut, indem die Henne eine kleine Vertiefung in den Boden scharrt und diese mit Pflanzenmaterial auslegt. Ab Mai werden im Durchschnitt 7-13 Eier gelegt und ungefähr 17 Tage lang bebrütet. Die Jungen sind Nestflüchter. Sie schlüpfen alle gleichzeitig und werden von den Eltern noch am selben Tag vom Nest weggeführt. Die Jungen bleiben bis zu 4 Wochen bei ihrer Mutter. Nach drei Wochen sind sie voll flugfähig und nach bereits 12 bis 15 Wochen geschlechtsreif. Wachteln haben bis zu drei Jahresbruten, wobei der Schlüpferfolg mit ungefähr 20% sehr gering ist.
Wachteln sind tag- und nachtaktiv.
Als Zugvögel ziehen sie gemeinsam und vorwiegend nachts.
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Wachtelei © Pixabay

Ernährung

Wachteln fressen am Liebsten pflanzliche Kost wie Sämereien, Samen, Getreidekörner (vorwiegend Weizenkörner) sowie Insekten. Vor allem die Küken sind auf proteinreiche Nahrung in Form von Insekten angewiesen. Daher fressen sie in dieser Zeit vor allem Blattläuse, Ameisen, Wanzen, Käfer oder auch Insektenlarven und -raupen. Die rückläufige Insektenbiomasse kann vor allem beim Wachtelnachwuchs zu Nahrungsengpässen führen.

Wachteln im Jahresverlauf

Legebeginn: ab Mitte Mai
Brutdauer: 18 Tage
Mauser: Körpergefieder: Mitte Juni/ Mitte August.
Überwinterung: September – März / April (Überwinterung in Afrika)

Jagdliche Begriffe

Im Laufe der Jahrzehnte haben sich unter Jägern für bestimmte Aktivitäten, Körpermerkmale oder Verhaltensweisen im Zusammenhang mit einer Tierart Begriffe eingebürgert. Einige davon sind hier aufgeführt.

  • Hahn: männliches Tier
  • Henne: weibliches Tier
  • Junge: Küken
  • Hudern: Schützen der Nestlinge vor ungünstigen Witterungseinflüssen
  • Huderpfanne: Staubbadestelle
  • Gesperre: Henne und Küken
  • Gelege: Eier bzw. Eier mit Nest
  • Mauser: Wechsel / Erneuerung der Federn
  • Ständer: Beine
  • Balz: Paarungszeit

Jagd und Management

Die Wachtel unterliegt gemäß § 2 Abs.1 Nr.1 des Bundesjagdgesetzes (BJagdG) dem Jagdrecht. Es besteht jedoch eine ganzjährige Schonzeit. Die illegale Tötung eines ganzjährig geschonten Wildtieres stellt eine Straftat nach § 38 Abs.1 Nr.2 des Bundesjagdgesetzes dar. Auch das Sammeln und Stören von Gelegen des Federwildes ist verboten nach § 22 Abs. 4 des Bundesjagdgesetzes (BJagdG) und § 22 Abs.3 des Bayerischen Jagdgesetzes (BayJG).

Durch menschliche Verfolgung werden auf dem Zugweg Verluste der Wachtelpopulation verzeichnet, vor allem im Mittelmeerraum und in Nordafrika.