Nutria

Nutria

Nutria schwimmend © Pixabay

Die Nutria wird auch Sumpfbiber oder Biberratte genannt. Auffällig sind ihre orange gefärbten, langen Nagezähne. Das kleine Nagetier kommt ursprünglich aus Südamerika und ist ein Verwandter des Meerschweinchens. Bei uns vorkommende Nutrias sind die Nachkommen entlaufener Tiere aus Pelztierfarmen. Die Nutria ist in Deutschland eine invasive Art und kann erhebliche Schäden an der Ufervegetation und Dämmen anrichten.

Erscheinungsbild

Erscheinungsbild Nutria
Das Fell der Nutria hat eine dichte, graue Unterwolle. Darüber wachsen die sogenannten Grannenhaare (Deckhaare), die sehr variabel gefärbt sind (meist braun, auch gelbgrau bis schwarz). Auffällig ragen bei Nutrias die orangenen Nagezähne durch die gespaltenen Oberlippen hervor. Die orangene Färbung der Zähne entsteht durch Eiseneinlagerungen. Bemerkenswert sind auch die langen Barthaare. Ihre Mundhöhle können die Nagetiere vor den Backenzähnen im Mund verschließen. Durch diese Teilung des Mundes können sie auch unter Wasser fressen, ohne sich dabei zu verschlucken.Die Füße sind nicht behaart und an den Vorderfüßen haben Nutrias langen Krallen, mit denen sie gut greifen und ihr Futter festhalten können. Am Hinterfuß sind die Zehen durch Schwimmhäute verbunden.
Verwechslungsgefahren bestehen mit dem heimischen Biber und der Bisamratte. Die Nutria ist viel kleiner als der Biber, jedoch größer als die Bisamratte. Im Wasser kann man Nutrias leicht von Bibern unterscheiden, denn bei schwimmenden Nutrias sieht man sowohl Kopf, als auch Rücken, während bei Bibern nur der Kopf sichtbar ist. Im Gegensatz zum abgeflachten Schwanz der Bisamratte ist der Schwanz der Nutria rund, beschuppt und kaum behaart.

Wissenswertes auf einen Blick

  • Wissenschaftlicher Name: Myocastor coypus
  • Gewicht: 8 – 10 kg
  • Alter: bis 4 Jahre (im Käfig bis 12 Jahre)
  • Geschlechterunterschied: Männchen sind etwas größer als die Weibchen
  • Fortpflanzung: 5 - 7 Junge pro Wurf; ganzjährige Paarungszeit

Drohlaute der Nutria

Zwei Nutrias

© StMELF

Bei innerartlichen Konflikten richten sich Nutrias auf und lassen Drohlaute hören. Wenn Nutrias in die Enge getrieben werden, klappern sie zur Abwehr laut mit den Zähnen.

Autor: Tembrock, Günther/ Tierstimmenarchiv Berlin

Nutria in Deutschland und Bayern

Die Vorkommen der Nutria gehen in Deutschland auf entflohene oder freigelassene Tiere aus Pelztierfarmen zurück. Seit 1926 wurden Nutrias in Deutschland gezüchtet. Der erste Freilandnachweis von Nutrias in Deutschland erfolgte zu Beginn der 1930er Jahre in Schleswig- Holstein. In der DDR wurden viele Pelztierfarmen errichtet. Bereits 1949 gab es in der DDR 2.744 Nutriafarmen, in denen 33.299 Tiere gehalten wurden. Schätzungen zufolge entkamen im Zeitraum von 1949 bis 1964 mindestens 1266 Nutrias in der DDR (Stubbe 1978). Zusätzlich wurde mehrfach versucht, Nutria in Deutschland anzusiedeln, wie zum Beispiel 1956 an den Plothener Teichen in Thüringen.
Zu Beginn war die Ausbreitung der Nutrias in Deutschland wenig erfolgreich und auf relativ isolierte, kleine Populationen beschränkt. Die Etablierung der Nutrias in Mitteleuropa wurde jedoch durch milde Winter und ihre gute Anpassungsfähigkeit begünstigt.
In Deutschland ist die Art inzwischen großräumig verbreitet und kommt mäßig häufig vor (Nehring et al., 2015). Verbreitungsschwerpunkte sind in Sachsen- Anhalt, Sachsen, Thüringen, Brandenburg, dem Ruhrgebiet und der Rheinebene.
Auch in Bayern gibt es mittlerweile in allen Regierungsbezirken Nachweise von Nutrias.

Streckenentwicklung

Das folgende Diagramm gibt Ihnen einen schnellen Überblick über die Streckenentwicklung der Nutria in Bayern. Mit Daten seit 1985 haben wir hier für Sie eine Zusammenstellung aufbereitet.

Lebensraum und Lebensweise

Nutria am Gewässer. © PixabayZoombild vorhanden

Nutria am Gewässer. © Pixabay

Bedingt durch ihren südamerikanischen Ursprung bevorzugen Nutrias das milde Klima: strenge Winter führen zu erhöhter Mortalität. Weibliche Nutrias leben in kleinen Gruppenverbänden, die Männchen sind meistens Einzelgänger. Sie sind tagaktiv und an das Wasser gebunden. Nutrias können bis zu 5 Minuten lang tauchen. Bei Gefahr flüchten sie in ihre Bauten oder tauchen unter Wasser. Der Aktionsradius der Nutrias ist abhängig von der Nahrungsverfügbarkeit, oft jedoch nicht größer als 200m. Allerdings haben die Tiere ein großes Ausbreitungspotenzial: bei der Erschließung neuer Territorien unternehmen die Männchen Wanderungen von bis zu 11km (Stubbe & Krapp 1982).
Als Lebensraum bevorzugen sie stehende Gewässer, ruhige Altarme und kleine Gräben. Auch Fließgewässer und Flussauwälder werden besiedelt. Wichtig ist das Vorhandensein einer Uferböschung, in die die Nutrias ihren Erdbau graben. Der Eingang der Baue ist immer über dem Wasserspiegel. Die Baue sind röhrenförmig, oft mehrere Meter lang und mit Pflanzenmaterial ausgepolstert. Dafür ist eine vegetationsreiche Uferzone mit Schilf, Binsen oder anderen Pflanzen von Bedeutung. Zur Nahrungsaufnahme brauchen Nutrias eine ausgeprägte Unterwasservegetation und eine gute Sichttiefe. Für die Futteraufnahme und zum Rasten legen Nutrias Plattformen aus Schilf und anderen Pflanzen an.
Nutrias verpaaren sich das ganze Jahr hindurch. Die Paarung findet innerhalb und außerhalb des Wassers statt. Gewöhnlich bekommen Nutrias 2 bis 3 Würfe im Jahr. Die Tragezeit beträgt 128 – 135 Tage. Die Wurfgröße ist abhängig von der Saison: im Winter und Frühjahr sind die Würfe kleiner als im Sommer. Durchschnittlich sind es 5 bis 7 Junge, die innerhalb des Baus im Wurfkessel geboren werden. Bei der Geburt wiegen die Jungen ca. 200 Gramm und sind Nestflüchter. Sie sind bereits sehend, behaart und können laufen und schwimmen. In den ersten 8 Wochen werden sie von ihrer Mutter gesäugt, sind aber bereits in der Lage, feste Nahrung aufzunehmen. Nach 5 bis 6 Monaten sind die Jungen geschlechtsreif.

Nahrung

Fressender SumpfbiberZoombild vorhanden

Nahrungsaufnahme auf einer Plattform aus Schilf. © Pixabay

Die Ernährung der Nutrias ist vorwiegend vegetarisch. Der Blinddarm der Nutria ist 30 - 33cm lang und auf die Verdauung zellulosereicher Nahrung spezialisiert. Als täglichen Nahrungsbedarf benötigen Nutrias etwa 25% ihres Körpergewichtes. Zum Großteil fressen die Tiere Wasserpflanzen wie Schilf, Rohrkolben und Seerosen. Neben grünen Pflanzenteilen, Blättern, Knospen und Sämlingen werden auch die Wurzeln gefressen, die sie sogar unter Wasser ausgraben. Als Ergänzung des Speiseplans werden manchmal auch Muscheln, wie die Teichmuschel oder Kleintiere gefressen. In landwirtschaftlich geprägten Flächen frisst die Nutria Feldfrüchte wie Mais, Rüben, Kartoffeln und Getreide. Bei hohen Schneelagen im Winter verursachen Nutrias auch Schälschäden an Bäumen.
Durch ihr Fraßverhalten erzeugen die Nutria in manchen Gebieten erhebliche Schäden an der Unterwasser- und Ufervegetation. Gefährdete und geschützte Pflanzenarten wie die Sumpf- Schwertlilie und die Gelbe Teichrose können lokal durch hohe Nutriadichten dezimiert werden (Nehring et al. 2015).

Jagd und Management

Auf EU- Ebene ist die Nutria in der Unionsliste der invasiven Arten gelistet (Verordnung (EU) Nr. 1143/2014). Die Verordnung sieht ein gestuftes System von Prävention, Früherkennung und dem Management invasiver Arten vor. Deshalb muss die Nutria auch in Deutschland den Vorgaben entsprechend behandelt werden.

In Bayern unterliegt die Nutria dem Jagdrecht und darf mit Ausnahme vom Elterntierschutz (§ 22 BJagdG) ganzjährig bejagt werden.

Das Wildbret von Nutrias ist schmackhaft und für den menschlichen Verzehr geeignet. Gemäß der Durchführungsverordnung (EU) 2015/1375 müssen Nutrias von Veterinären auf Trichinen untersucht werden, um eine Kontamination ausschließen zu können.

Weiterführende Literatur

Nehring, S.; Rabitsch, W.; Kowarik, I.; Essl, F. (2015) Naturschutzfachliche Invasivitätsbewertungen für in Deutschland wild lebende gebietsfremde Wirbeltiere. Myocastor coypus – Nutria. BfN-Skripten 409

Stubbe, M. (1978) Die Nutria Myocastor coypus (Molina, 1792) in der DDR. Arch. Naturschutz und Landschaftsforschung. 18: 19 - 30

Stubbe, M. & Krapp, F. (1982) Myocastor coypus (Molina, 1792) – Nutria. In: Niethammer, G. & Krapp, F. (Hrsg.), Handbuch der Säugetiere Europas. Aula, Wiesbaden: 607-630