Elster

Elster

© Hannah Heither

Die Elster gehört zur Familie der Rabenvögel. Auf dem üppigen Speiseplan des Nahrungsgeneralisten stehen neben Insekten, Kleintieren und Sämereien auch Aas. Aus diesem Grund können Elstern oftmals in der Nähe von Straßen beobachtet werden. Dort fressen sie die Reste von überfahrenen Tieren. Besonders auffällig sind ihr „schackernder“ Ruf, ihr kontrastreiches dunkel-weißes Gefieder und die ungewöhnlich langen Schwanzfedern.

Erscheinungsbild

Elstern auf Baum
Die Elster ist etwas kleiner als ihre nächste Verwandte, die Rabenkrähe. Neben den langen Schwanzfedern (Stoß) der Elster ist ihre Färbung ein besonderes Merkmal: Schultern und Bauch sind weiß, wohingegen Kopf, Brust, Rücken, Schwingen und Stoß dunkel, grün bis blau schimmern. Im Frühjahr ist das Gefieder der Elster matt gefärbt, im Jahresverlauf wird es immer glänzender. Am auffälligsten schimmern mittelalte Vögel kurz nach der Mauser. Jungvögel unterscheiden sich kaum von den Altvögeln, ihr Gefieder wirkt lediglich etwas matter gefärbt und die Stoßfedern sind kürzer. Männchen und Weibchen unterscheiden sich nicht in der Färbung, aber die Männchen sind etwas kräftiger gebaut.
Das Flugbild der Elster ist geradlinig mit kurzen Gleitphasen. Im Flug fällt die Elster durch Ihre weißen Handschwingen (äußere Flügelfedern) auf. Oft ist die Elster auch aufrecht schreitend oder zweibeinig hüpfend auf dem Boden anzutreffen.

Wissenswertes auf einen Blick

  • Wissenschaftlicher Name: [i]Pica pica[/i]
  • Gewicht: 200 – 230 g
  • Größe: 51 cm, Flügelspannweite 90 cm
  • Alter: ältester beobachteter Vogel 15 Jahre
  • Geschlechterunterschied: keine Unterschiede im Gefieder, Männchen sind etwas kräftiger als die Weibchen
  • Gelege: 5 - 7 Eier; ein Gelege pro Jahr

Die charakteristischen Rufe der Elster

Flugbild_Elster_Heither4

© Hannah Heither

Der Ruf der Elster wird als ,,schackernd‘‘ bezeichnet und ähnelt dem Geräusch einer halbvollen geschüttelten Streichholzschachtel. Das ,,tschek- tschek- tschek ‘‘ oder auch das „tschaka!“ der Elster sind sowohl Alarm- als auch Warnrufe und dienen der Revierverteidigung oder dem Anzeigen einer drohenden Gefahr. Je schneller die Elster „schackert“, desto angsteinflößender wirkt die Gefahrenquelle auf sie: bei langsamen „Schackern“ geht die Elster in die Verteidigung, bei schneller Abfolge flüchtet sie.

Autor: Tembrock, Günter / Tierstimmenarchiv Berlin

Zur Kommunikation mit dem Partner lässt die Elster manchmal leise einen plaudernden Gesang hören, der mit Pfeifen untersetzt und sehr variabel sein kann.

Die Elster in Bayern

In Bayern brütet die Elster flächendeckend außerhalb der Alpen. In den Alpen kommt sie ausschließlich in Tallagen vor. Schätzungen zufolge gibt es zwischen 85.000- 235.000 Brutpaare in Bayern. In der Roten Liste der Brutvögel Bayerns (2016) wird die Elster als „mäßig häufig“ eingestuft.

Streckenentwicklung in Bayern

Streckenentwicklung_ElsterZoombild vorhanden

Gesamtstrecke Elster seit 1985 (©LfL)

Das nebenstehende Diagramm gibt Ihnen einen schnellen Überblick über die Streckenentwicklung der Elster in Bayern. Mit Daten seit 1985 haben wir hier für Sie eine Zusammenstellung aufbereitet.

Lebensraum und Lebensweise

Schlafbaum_Elstern_Heither5

© Hannah Heither

Ursprünglich war die Elster ein Vogel des Grünlands. Inzwischen gehören zum Lebensraum der Elster neben halboffenen Landschaften mit Gehölzen auch städtische Gebiete. Geschlossene Waldgebiete und enge Tallagen werden von Elstern eher gemieden. Die Elster ist ein Kulturfolger, die sich gut an veränderte Lebensbedingungen und von Menschen geprägte Landschaften anpassen kann. Das Vorkommen der Elster in Siedlungsbereichen ist in den letzten Jahren häufiger geworden. Dort kommt sie vor allem in Gärten, Parks und auf Friedhöfen vor. Die Gesamtpopulation ist natürlichen Schwankungen unterworfen, insgesamt jedoch als stabil anzusehen. Entgegen der Vermutung, es sei in den vergangenen Jahren zu einer explosionsartigen Vermehrung der Elster gekommen, verschiebt sich lediglich ihr Lebensraum in menschliche Ortschaften. Aufgrund von Veränderungen in der Landnutzung und einem geringeren Feinddruck in Siedlungsgebieten, ist der städtische Bereich für die Elster ein zunehmend attraktiverer Lebensraum.
Die Elster ist ein Standvogel und in der Brutsaison äußerst reviertreu. Reviergrößen schwanken üblicherweise zwischen 4 und 6 Hektar.
Nest  der Elster

© Hannah Heither

Ihre Nester baut die Elster in hohe Einzelbäume oder im Gebüsch, sowohl in Waldrandlagen als auch in Alleen und Parkanlagen. Während der Brutzeit leben die Vögel paarweise. Üblicherweise schließen sich Elsternpaare in monogamen Dauerehen zusammen, manchmal entstehen aber auch Jahresehen. Zunächst beginnt das Paar mehrere Nester zu bauen, bis es sich für eines entscheidet und dieses dann ausbaut. Nester werden fast jedes Jahr neu gebaut, nur vereinzelt nutzen Elstern ein Nest aus dem Vorjahr, das sie zuvor ausbessern. Das Nest der Elster wird als Kugelnest bezeichnet, da die Nestmulde mit Lehm ausgestrichen wird und anschließend kuppelförmig mit Reisig überdeckt wird. Neststandorte anderer Brutpaare sind bei der Elster nicht selten <100m voneinander entfernt.
Nach der etwa 6 wöchigen Aufzucht-/ Führungszeit, die sich in jeweils 3 Wochen Brut- und 3 Wochen Nestlingszeit aufteilt, streichen die jungen Elstern die ersten 1 bis 2 Lebensjahre in lockeren Trupps umher. Dabei bevorzugen sie halboffene Landschaften. Jungvögel, die noch nicht am Brutgeschäft teilnehmen, finden sich in sogenannten Schlafgesellschaften auf hohen Bäumen ein. Außerhalb der Brutsaison gesellen sich häufig auch die Altvögel dazu.

Ernährung

Die Elster ist ein Allesfresser. Von Bedeutung für die Nahrungssuche sind Lebensräume mit Kurzrasen und vegetationsfreien Stellen.
Zur Brutzeit besteht der Speiseplan der Elster vorwiegend aus Insekten, Wirbellosen wie Schnecken und Regenwürmern, sowie Kleintieren. Auch Gelege von Kleinvögeln werden nicht verschmäht. Der zweifelhafte Ruf der Elster ist auf eine Eigenart in ihrem Nahrungsverhalten zurückzuführen: Gelegentlich beschafft sie sich ihre Nahrung als Nesträuber. Auch wenn die Entnahme einzelner Küken aus den Nestern kleiner Singvögel einen zeitweisen Verlust für die lokale Population darstellen kann, entsteht dadurch kein langfristiger negativer Einfluss auf die Bestände dieser Arten.
Im Winter ernährt sich die Elster überwiegend von Sämereien wie Weizen, Mais, Hülsenfrüchten, Eicheln, Bucheckern, sowie Früchten und Aas. Aus diesem Grund können Elstern häufig in der Nähe von Straßen beobachtet werden. Denn hier beseitigen sie die Reste überfahrener Tiere.
Auch sonst sieht man sie oft Futter suchend auf Rasenflächen am Boden. Hat die Elster ihre Beute entdeckt, läuft oder hüpft sie rasch darauf zu und packt sie mit dem Schnabel.
Die Elster besitzt die Fähigkeit, Gegenstände wiederzufinden (Objektpermanenz). Dies ist besonders wichtig für das Anlegen von Nahrungsreserven für den Winter. Um die Verstecke vor Nahrungsräubern zu schützen verlagert die Elster ihre Vorräte immer wieder an andere Orte.

Elster im Jahresverlauf

Die Balz der Elster beginnt je nach Witterungsbedingungen Mitte Februar bis März. Danach folgt die Brut und Legezeit, in der das Weibchen etwa 5 bis 7 Eier legt und diese im Schnitt 17 Tage lang bebrütet. Während dieser Zeit kümmert sich das Männchen um die Nahrungssuche. Nachdem die jungen Elsternküken geschlüpft sind, folgt ab Anfang Juni die 22 bis 27- tägige Nestlingszeit. Als Nesthocker bleiben die frisch geschlüpften Elstern in dieser Zeit noch im Nest und sind vollständig von den beiden Elterntieren abhängig. Zwischen Juli und August folgt darauf eine etwa 6 wöchige Führungsphase, bei denen die Jungen noch bei ihren Eltern bleiben. Danach schließen sich die jungen Elstern zu Trupps zusammen und leben selbständig und unabhängig von den Elterntieren.
Im Anschluss zwischen Juni und Mitte Oktober vollziehen die Elstern ihre Jahresmauser.

Die Elster im Jahresverlauf

  • Brutdauer: 17-18 Tage
  • Brutzeit: März/ April – Mai
  • Balz: Feb – März
  • Führung, Nestling: Juni – August
  • Jahresmauser: Juni- Oktober

Diebische Intelligenz

Der Elster werden oftmals zwei Eigenschaften zugeschrieben: ,,diebisch‘‘ und intelligent. Entgegen der allgemeinen Meinung klaut die Elster nicht nur glitzernde und glänzende Dinge, sondern zeigt grundsätzlich Interesse an allen möglichen Gegenständen. Sie tut dies vor allem aus Neugierde. Ihren Ruf als besonders intelligentes Tier hat die Elster nicht unbegründet. Ihr Gehirn gilt als eines der höchst entwickelten unter den Singvögeln. Neben der örtlichen Verlagerung von Objekten ist sie in der Lage, Artgenossen individuell wieder zu erkennen. Zusätzlich kann die Elster ihr eigenes Spiegelbild als Abbild ihrer selbst erkennen.

Jagdliche Begriffe

Im Laufe der Jahrzehnte haben sich unter Jägern für bestimmte Aktivitäten, Körpermerkmale oder Verhaltensweisen im Zusammenhang mit einer Tierart Begriffe eingebürgert. Einige davon sind hier aufgeführt.
  • Trupp: Gruppe
  • Schlafbaum: Ruheort
  • Spiegel: bunte Flügeldecken
  • Ständer: Beine, Füße
  • Geschmeiß: Kot
  • Rätschen: Warnrufe
  • Abstreichen: Abfliegen
  • Haube, Holle: Scheitelfedern
  • Standvogel: Verlassen ihren geographischen Lebensraum auch im Winter nicht
  • Stoß: Der Schwanz der Federwildarten (außer bei Birkhahn und Fasan)
  • Horst: Nest

Jagd und Management

Die Elster unterliegt dem Jagdrecht. Gemäß der Art.33 Abs.1 der Ausführungsverordnung zum Bayerischen Jagdgesetz (AVBayJG) hat die Elster vom 16. Juli bis 14. März in Bay-ern Jagdzeit.