FAQ zum jagdlichen Einsatz von Nachtsichttechnik

Die FAQ zum jagdlichen Einsatz von Nachtsichttechnik in Bayern bieten einen kompakten Überblick zu den wichtigsten Themen.

1. Was ist ein Nachtsichtgerät?

Nachtsichtgeräte sind Geräte, die einen elektronischen Bildwandler besitzen, der bei Dunkelheit (Nacht oder Dämmerung) das vorhandene Restlicht so weit verstärkt, dass der Betrachter ein sichtbares Bild erhält.

2. Wie funktioniert ein Nachtsichtgerät?

Schema des Aufbaus eines Nachtsichtgeräts.Zoombild vorhanden

©Krych, StMELF

Im Nachtsichtgerät wird in einer eingebauten Bildverstärkerröhre auf elektronische Weise, sowohl das sichtbare Restlicht als auch das infrarotnahe Licht eingefangen und um ein Vielfaches verstärkt.
Wenn Lichtteilchen auf eine lichtempfindliche Schicht (Photokathode) treffen, werden Elektronen freigesetzt. Durch die sog. Multikanalplatte wird die Anzahl der Elektronen extrem erhöht und sie werden gleichzeitig beschleunigt. Sobald die vielen Elektronen auf eine fluoreszierende Schicht, meist eine Phosphorschicht auftreffen, beginnt diese zu leuchten. Auf einem kleinen Bildschirm wird das Bild für das menschliche Auge sichtbar.
Nachtsichtgeräte arbeiten auf zweierlei Art. Wird lediglich das vorhandene Restlicht (Sterne, Mond, Restlicht aus Ortschaften etc.) verstärkt, so wird das Nachtsichtgerät auch landläufig Restlichtverstärker genannt.
Bei absoluter Dunkelheit oder um die Reichweite des Geräts zu erhöhen können auch Infrarotstrahler verwendet werden. Das sind Taschenlampen, die anstatt des sichtbaren Lichts unsichtbares infrarotes Licht verwenden. Wird dieses unsichtbare Licht von einem Objekt zurückgeworfen, so kann es durch das Nachtsichtgerät aufgefangen und auf die o.g. Weise für das menschliche Auge sichtbar gemacht werden.

3. Was ist ein Wärmebildgerät und wie funktioniert es?

Ähnlich wie ein Nachtsichtgerät macht das Wärmebildgerät für das menschliche Auge unsichtbare Teile des Lichts sichtbar.
Mittels eines Bildwandlers wird die von den Objekten selbst ausgesandte Wärmestrahlung sichtbar gemacht. Die Wellenlänge der genutzten Infrarotstrahlung liegt bei 3–15 Mikrometer (Infrarotstrahlung im mittleren Infrarot-Bereich). Für das menschliche Auge entsteht ein optisch wahrnehmbares Temperaturmuster. Je größer der Temperaturunterschied zwischen beobachtetem Objekt und dessen Umgebung, umso besser ist das dargestellte Bild.

4. Kann ein Wärmebildgerät auch bei Tageslicht eingesetzt werden?

Ja. Das Wärmebildgerät verstärkt nicht das vorhandene Restlicht sondern es macht die Temperaturunterschiede optisch sichtbar. Diese sind auch bei Tageslicht vorhanden. (siehe auch Frage 3)

5. Warum leuchtet das Bild in einem Nachtsichtgerät grün?

Der kleine Bildschirm, auf den das menschliche Auge blickt ist mit einer Phosphorschicht versehen. Treffen wie in Frage 2 erklärt Elektronen auf die Phosphorschicht, so fängt sie in verschiedenen Grüntönen an zu leuchten. Für das menschliche Auge erscheint das "aufgehellte" Bild in grünlicher Farbe. Mittlerweile gibt es auch Modelle auf dem Markt, die das Bild in Schwarz/Weißfarben darstellen.

6. Was ist der Unterschied zwischen Nachtsichtgerät und Nachtzielgerät?

Nachtzielgeräte sind Nachtsichtgeräte, die wie ein Zielfernrohr eine fest eingebaute Visiereinrichtung (Zielstachel) aufweisen. Damit wird in einem Gerät die Funktion eines Zielfernrohrs und eines Nachtsichtgerätes kombiniert. Nachtzielgeräte werden deshalb oft als sog. "Kompakt-Geräte" bezeichnet. Nachtzielgeräte und für Schusswaffen bestimmte Nachtsichtgeräte sind nach Paragraf 40 WaffG i.V.m. Anlage 1 Nr. 4.3 zum WaffG und Anlage 2 Abschnitt 1 Nr. 1.2.4.1 verbotene Gegenstände und sind für den jagdlichen Gebrauch in Bayern nicht genehmigungsfähig.

7. Was ist ein Nachtsichtvorsatzgerät?

Ein Nachtsichtvorsatzgerät ist ein legal zu erwerbendes Nachtsichtgerät, das mithilfe eines Montageadapters mit verschiedenen optischen Geräten wie z.B. Kameraobjektiv, Fernglas, aber auch Zielfernrohr verbunden werden kann. Lediglich der Aufsteckvorgang (mithilfe eines Montageadapters) macht das Nachtsichtgerät zu einem Nachtsichtvorsatzgerät. Baulich, technisch und rechtlich gibt es keinen Unterschied zwischen beiden. Das Aufstecken auf ein waffenmontiertes Zielfernrohr bedarf einer jagdrechtlichen Ausnahmegenehmigung und waffenrechtlichen Beauftragung. Ohne diese stellt das Zusammenstecken einen Straftatbestand dar.

8. Wird für den Erwerb eines Nachtsichtgeräts eine Genehmigung benötigt?

Nein. Viele Nachtsichtgeräte wurden vom Bundeskriminalamt (BKA) für die private Nutzung freigegeben und sind bereits jetzt von jedem legal zu erwerben und können jederzeit als handgehaltenes Beobachtungsgerät eingesetzt werden.

Feststellungsbescheide Bundeskriminalamt (BKA) Externer Link

9. Führt der Einsatz von Nachtsichttechnik bei der Schwarzwildjagd zu einer nachhaltigen Beunruhigung des gesamten Wildes und damit zu einem Anstieg der Wildschäden?

Die Bejagung von Schwarz- und Raubwild in der Nachtzeit ist bereits jetzt erlaubt und es werden gerade in der Nacht große Anstrengungen durch die Jägerschaft unternommen, um auf Schadflächen Sauen zu erlegen. Die Ansitze erfolgen oft unter schlechten Lichtverhältnissen und enden nicht selten mit dem Ergebnis, dass Sauen gehört, aber nicht gesehen werden. Die Wildschweine und andere Wildarten haben aber die Anwesenheit des Jägers wahrgenommen und werden dadurch noch heimlicher. Die Folge sind weitere Ansitze zur Nachtzeit in den darauf folgenden Nächten, also weitere Störungen. Von Jägern, die Nachtsichttechnik bereits erfolgreich nutzen, wird häufig berichtet, dass die Effizienz der Nachtjagd durch den Einsatz von Nachsichttechnik steigt. Das heißt, dass der Einsatz von Nachtsichttechnik durchaus auch zu einer Verringerung des Jagddrucks bzw. Störungen führen kann.

10. Sind bei der Aufbewahrung von Nachtsichtvorsatzgeräten besondere Vorschriften hinsichtlich der Aufbewahrungsbehältnisse zu beachten?

Nein. Ein Nachtsichtgerät und der Montageadapter fallen nicht unter das Waffengesetz und müssen daher auch nicht besonders verwahrt werden. Handelt es sich um ein besonders wertvolles Gerät so empfiehlt es sich, dieses wie jedes andere kostspielige technische Gerät diebstahlgeschützt zu lagern und zu transportieren.

11. Kann ein Nachtsichtgerät mittels Montageadapter mit einem optischen Gerät (z. B. Fernglas oder Fotoapparat) verbunden und zur Beobachtung eingesetzt werden?

Ja. Nachtsichtgeräte können mit anderen optischen Geräten verbunden und zu Beobachtungszwecken legal eingesetzt werden.

12. Bedarf der Einsatz eines Nachtsichtgeräts mit einem anderen optischen Gerät (z.B. Fernglas oder Fotoapparat) zu Beobachtungszwecken eine behördliche Genehmigung?

Nein. Das Verbinden von Nachtsichtgerät und anderen optischen Geräten ohne Verbindung zur Waffe ist genehmigungsfrei und legal.

13. Für welche Handlungen muss ein behördlicher Auftrag vorliegen?

Für das Zusammenstecken des Nachtsichtgeräts mit einer optischen Zielhilfe (z. B. Zielfernrohr), die auf einer Jagdlangwaffe montiert ist, wird ein behördlicher Auftrag (jagdrechtliche Ausnahmegenehmigung und waffenrechtliche Beauftragung) benötigt. Liegt dieser nicht vor, handelt es sich bei dem Zusammenstecken um einen Straftatbestand. Nach dem genehmigten jagdlichen Einsatz ist das Nachtsichtgerät zwingend noch im Jagdrevier wieder von der Waffe zu entfernen.

14. Stimmt es, dass Nachtsichtvorsatzgeräte "Kriegsgerät" und verbotene Gegenstände sind?

Nein. Vergleiche Fragen 6 und 8.

15. Muss ein Zielfernrohr neu justiert (eingeschossen) werden, nachdem es mit einem Nachtsichtgerät zusammengesteckt wurde?

Grundsätzlich sollte die Waffe nach einem Wechsel des Zielfernrohrs oder Munitionssorte, einem Sturz, aber auch vor der beginnenden Jagdzeit kontrollgeschossen werden. Genauso verhält es sich mit der Montage eines Nachtsichtvorsatzgerätes. Auskünfte darüber sollten beim Händler bzw. Büchsenmacher eingeholt werden.

16. Was passiert wenn die Frist für die Beauftragung ausläuft? Muss das Nachtsichtvorsatzgerät wieder verkauft werden?

Nein, die behördliche Beauftragung (jagdrechtliche Ausnahmegenehmigung und waffenrechtliche Beauftragung) für den legalen Einsatz von Nachtsichttechnik auf Jagdlangwaffen umfasst ausschließlich den Einsatz von sog. "Dual use"-Geräten. Das sind bereits jetzt von jedem legal zu erwerbende Geräte, die als Beobachtungsgeräte genutzt werden. Läuft die Frist der Beauftragung aus, so darf das Nachtsichtgerät nicht mehr auf das waffenmontierte Zielfernrohr aufgesteckt werden. Der Einsatz als handgehaltenes Beobachtungsgerät ist weiterhin uneingeschränkt möglich!

17. Wird ein Nachtsichtgerät beschädigt, wenn es tagsüber (bei Tageslicht) eingeschaltet wird?

Das kommt darauf an, ob das Gerät über eine Steuerelektronik verfügt, die den Bildverstärker vor Überbelichtung schützt. Nachtsichtgeräte neuerer Bauart verfügen oft über diese Regeltechnik. Genaues ist aus den Datenblättern der jeweiligen Hersteller zu entnehmen. (siehe auch Frage 14)

18. Wie muss eine Zielfernrohrmontage zur Nutzung eines Nachtsichtvorsatzgerätes beschaffen sein?

Aufgrund der vielen am Markt verfügbaren Zielfernrohrmontagen sollte dies im Vorfeld mit einem Büchsenmacher bzw. Händler geklärt werden.

19. Ist die Nutzung eines IR-Strahlers in Verbindung mit einem Nachtsichtgerät erforderlich?

Bei äußerst ungünstigen Lichtverhältnissen (z. B. Neumond) oder um die Beobachtungsreichweite des Nachtsichtgeräts zu erhöhen, kann der Einsatz eines IR-Strahlers sinnvoll sein. Zum Funktionsprinzip siehe Frage Nr. 2.